St. Nikolai Stift zu Hannover

Zweite Lebensphase – grün weitergebaut

Klimafreundliche Transformation eines 70er-Jahre-Wohnstifts

An der Appelstraße in unmittelbarer Nachbarschaft zum innerstädtischen Friedhof St. Nikolai liegt das Wohnstift des St. Nikolai – ein Gebäude, das 1974/75 in Systembauweise als massive Betonplattenkonstruktion errichtet wurde. Es bildet den Abschluss einer unvollständigen Blockrandbebauung der Gründerzeit und nimmt innerhalb des Quartiers eine besondere städtebauliche Rolle ein. Anders als die unmittelbar anschließenden Gebäude springt das Haus an seiner Südseite zurück und schafft einen vorgelagerten Platz, der den Eingangsbereich klar definiert und den Straßenraum zum Friedhof hin öffnet. Die Hauptorientierung des Gebäudes liegt nach Norden zur angrenzenden Grünfläche. Die Wohnungen sind überwiegend zum geschützten Innenhof im Westen oder zum Friedhof im Osten ausgerichtet und profitieren trotz der innerstädtischen Lage von ruhigen, grünen Ausblicken.

Als Teil seines sozialen Auftrags bietet das St. Nikolai Stift heute 54 überwiegend kompakte Einzimmerwohnungen für ältere Bewohnerinnen und Bewohner an, ergänzt durch bedarfsgerechte Betreuungsangebote sowie einen großzügigen Gemeinschaftsbereich mit Küche. Damit verfolgt die Stiftung seit Jahrzehnten ihr satzungsgemäßes Ziel, bezahlbaren und qualitativen Wohnraum für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Bevölkerungsgruppen bereitzustellen.

Die umfassende Sanierung des Gebäudes mit einer Bruttogeschossfläche von 4.610 m² verfolgte konsequent zwei gleichrangige Ziele: die nachhaltige und klimafreundliche Modernisierung des Bestands sowie den langfristigen Erhalt bezahlbaren Wohnraums. Ausgangspunkt war ein hoher Endenergiebedarf von 140 kWh/(m²a). Durch den Austausch der Fenster, die Ausführung einer hochwärmedämmenden WDVS-Fassade sowie die Dämmung von Kellerdecke und Dach konnte der Energiebedarf für Heizung und Warmwasser um 34 % reduziert werden. Die CO₂-Emissionen wurden halbiert. Die Maßnahmen senken dauerhaft die Betriebs- und Nebenkosten und leisten gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz.

Im Zuge der Modernisierung wurde das Gebäude umfassend an heutige funktionale, technische und soziale Anforderungen angepasst. Die ehemals kleinen und nicht mehr zeitgemäßen Balkonaustritte wurden durch 48 neue Stahlbalkone ersetzt, die zusätzliche private Freibereiche mit einer neu geschaffenen Balkongeschossfläche von insgesamt 62,4 m² bieten. Die hierfür erforderliche Anpassung des Brandschutzkonzeptes wurde genutzt, um am Nordgiebel eine neue Stahlspindeltreppe als eigenständiges architektonisches Element zu ergänzen und die Erschließung dauerhaft zu verbessern.

Durch die Umnutzung von Nebenräumen im Erdgeschoss konnten zusätzlich drei barrierefreie Einzimmerwohnungen mit vorgelagerten Terrassen geschaffen werden. Hierdurch entstanden weitere 124 m² Wohnfläche und ein erweitertes Angebot für altersgerechtes und selbstbestimmtes Wohnen.

Mit dem Wegfall der Anfahrbarkeit über den angrenzenden Friedhof eröffnete sich zudem die Möglichkeit, die Außenanlagen grundlegend neu zu denken. Die Entsiegelung bislang vollständig befestigter Flächen ermöglichte die Anlage eines grünen Mietergartens und die Entwicklung eines identitätsstiftenden Innenhofes. Begrünte Aufenthaltsbereiche, Sitzgelegenheiten und barrierearme Wege fördern soziale Begegnungen und verbessern zugleich die mikroklimatischen Bedingungen. Eine Dachterrasse mit extensiver Begrünung sowie Fassadenbegrünungen durch Rankelemente ergänzen das Freiraumkonzept und tragen zur Regenwasserrückhaltung, Biodiversität und ökologischen Aufwertung des Quartiers bei.

Das Gebäude erreicht nach der Sanierung den KfW-Effizienzhausstandard 55. Ergänzend wurde die Dachfläche mit einer rund 200 m² großen Photovoltaikanlage ausgestattet, die einen wesentlichen Beitrag zur regenerativen Energieversorgung leistet.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie sich ein Wohngebäude der 1970er Jahre durch die sensible Weiterentwicklung seines Bestands in eine zukunftsfähige Wohnform transformieren lässt. Ökologische Verantwortung, soziale Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit werden dabei gleichermaßen berücksichtigt und schaffen langfristig lebenswerten Wohnraum für ältere Menschen im urbanen Kontext.

BauherrSt. Nikolai Stift zu Hannover
NutzungBetreutes Wohnen für Senioren
KategorieModernisierung
BauweiseMassivbau mit Stahlbetonfertigteilen
BausummeRd. 4.650.000 € (KG 300 + 400)
Fläche51 WE im Bestand plus 3 neue WE im EG
Bauzeit2023 - 2026